Monday, April 27, 2015

Berichten sie noch oder führen sie schon?

Unternehmen müssen mehr denn je Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und darüber umfassend berichten. Anstelle von Finanzkennzahlen rücken Strategie, Geschäftsmodell und Wertschöpfung in den Fokus einer ganzheitlichen Berichterstattung. Sind Unternehmen dazu überhaupt in der Lage? Was sind die wesentlichen Aspekte? Und wie verändert sich das Führungsverhalten? Mit diesen und anderen Fragen setzen sich am 6. Geschäftsberichte Symposium vom 11. Juni 2015 im GDI in Rüschlikon-Zürich Wirtschaftsführer, Experten und Kommunikatoren auseinander.

Die traditionelle Berichterstattung stösst an ihre Grenzen. International entwickeln sich Gesetze und Normen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur Offenlegung von Risiken und nichtfinanziellen Informationen. Unternehmen müssen sich deshalb zunehmend mit einer integrierten und nachhaltigen Geschäftsführung auseinandersetzen. Denn ihr Erfolg hängt nicht mehr allein von Kompetenz, Knowhow und Qualität ab sondern auch davon, wie sie auf ökologische und gesellschaftliche Entwicklungen im Umfeld reagieren. Die Erwartungen der Anspruchsgruppen zielen inzwischen nicht mehr nur auf ein profitables sondern auch auf langfristig wertschöpfendes, nachhaltiges Unternehmertum, das sich in der Berichterstattung widerspiegelt. Damit tun sich jedoch viele Unternehmen noch immer schwer. „Die meisten wollen ihre Berichterstattung nicht ändern, weil sie die Risiken einer Offenlegung von nichtfinanziellen Leistungen noch immer höher einschätzen als deren Vorteile“, meint Robert G. Eccles, Harvard-Professor und Vordenker der integrierten Berichterstattung. „Kaum einer will den Lead übernehmen, solange nicht andere das Feld gepflügt haben. Ich wünschte mir, dass dies ein Schweizer Unternehmen tut. Das wäre echte Leadership.“

Integriertes Denken und Handeln

In der integrierten Berichterstattung verbindet sich die klassische Finanzberichterstattung mit nicht finanziellen Kennzahlen und Informationen. Strategie und Geschäftsmodell sowie die damit einhergehende unternehmensspezifische Wertschöpfungsgeschichte stehen im Mittelpunkt. Sämtliche für die Wertschöpfung relevanten Ressourcen und Unternehmensbeziehungen werden in die Überlegungen miteinbezogen und nach dem Wesentlichkeitsprinzip priorisiert. Dies im Unternehmen zu verankern, ist eine grosse Herausforderung. Denn eine wesentliche Grundlage dafür ist das sogenannte integrierte Denken und Handeln. Das Management hat dabei stets die Wirkungszusammenhänge seiner Entscheidungen und die möglichen Auswirkungen auf das Umfeld im Blick und beschränkt sich nicht auf die eigene Perspektive. Es berücksichtigt vielmehr auch, wie andere Anspruchsgruppen die Wertschöpfung des Unternehmens wahrnehmen.

Leadership gefordert

Die Unterstützung durch das Topmanagement ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Sich frühzeitig mit unternehmensrelevanten Risikosituationen zu beschäftigen und Entscheidungen darauf auszurichten, ist eine Führungsaufgabe und erfordert Leadership. Weitsichtige Führungspersönlichkeiten haben dies erkannt und verstehen darum die Unternehmensberichterstattung als Führungsinstrument. Diejenigen Unternehmen, die dies erkennen und zielgerichtet bearbeiten, werden trotz einer weiteren Zunahme der Komplexität Wege finden, die Prinzipien der integrierten Berichterstattung umzusetzen, wie sie beispielsweise von Initiativen wie der Global Reporting Initiative (GRI) oder des International Integrated Reporting Committee (IIRC) vorgegeben werden. Aber auch für die übrigen Unternehmen gilt: Der Trend zu einer Verrechtlichung der Corporate Social Responsibility Themen und der Nachhaltigkeit wird zunehmen. Was heute noch freiwillig ist, könnte bald zur Pflicht werden. Damit steigen auch die Anforderung an die Ersteller von Geschäftsberichten: Liess sich die Finanzberichterstattung bisher noch mit übergrossen Zahlen, schönen Tabellen und farbigen Kuchendiagrammen illustrieren, sind nun Transparenz, Kreativität und Einfallsreichtum gefordert, um die nichtfinanziellen Informationen zu visualisieren.

CCR - Unabhängiges Kompetenzzentrum

Das Symposium wird ausgerichtet vom «Center for Corporate Reporting» (CCR). Das CCR ist das unabhängige Kompetenzzentrum für Unternehmensberichterstattung und die zentrale Anlaufstelle für alle Akteure, die sich mit Corporate Reporting beschäftigen. Es verfolgt den Anspruch, die Qualität des Reportings zu fördern und dessen Wirkung zu erhöhen – für die berichterstattenden Unternehmen selbst und für deren Anspruchsgruppen. Zu den Aktivitäten des CCR gehören unter anderem das jährliche Symposium, themenspezifische Events, die Fachzeitschrift «The Reporting Times», die Geschäftsberichte-Bibliothek und exklusive Dienstleistungen für Firmenmitglieder.